Der erste Gedanke

Als KI angefangen hat, brauchbaren Code zu schreiben,
war meine erste Reaktion nicht Euphorie.

Es war Skepsis.
Und ein leiser Gedanke:

Wenn die Maschine das jetzt auch kann –
was bleibt dann eigentlich von meinem Handwerk?

Ich habe Code immer gern geschrieben.
Nicht nur als Mittel zum Zweck,
sondern als Denkprozess.

Struktur formen.
Abhängigkeiten sehen.
Dinge sauber machen.

Und ja – auch das stille Gefühl,
dass man etwas beherrscht,
das andere nicht einfach so können.

Die Angst war real.
Nicht davor, arbeitslos zu werden.

Sondern davor,
ersetzbar zu werden
in etwas, das ich mochte.

Reibung

Ein gutes Stück später merke ich etwas Unerwartetes:

Programmieren macht mir mehr Spaß als früher.

Nicht trotz KI.
Sondern wegen ihr.

Der Grund ist banal.
Und trotzdem tiefgreifend:

Die Maschine übernimmt die Teile,
die ich nie geliebt habe.

Boilerplate.
Mechanisches API-Verkabeln.
Syntax-Reibung.
Diese fünf Minuten Googeln,
die immer zwanzig werden.

Das war nie die Essenz.
Es war Reibung.

Und ich habe lange geglaubt,
Reibung gehöre einfach dazu.

Mehr Denken

Was bleibt, ist der Teil,
den ich immer mochte.

Architektur.
Datenflüsse.
Zustände.
Invarianten.
Naming.
Trade-offs.

Ich tippe weniger.

Und denke mehr.

Die Maschine schreibt Code.
Ich entscheide, welchen.

Manchmal sogar zweimal,
weil sie es wieder ein bisschen zu sauber meint.

Mehr als Code

Viele Debatten vermischen zwei Dinge:

Code schreiben.
Software bauen.

KI greift vor allem Ersteres an.
Das Produzieren von Text,
der syntaktisch korrekt ist
und dabei sehr überzeugt klingt.

Aber Software entsteht nicht aus Syntax.

Sie entsteht aus Absicht.
Aus Modellierung.
Aus Entscheidungen.
Aus Kontext.

Wenn Code allein reichen würde,
gäbe es keine schlechten Systeme mehr.

Wir wissen,
wie das ausgegangen ist.

Wer entscheidet

Was sich gerade verschiebt,
ist nicht die Relevanz von Entwicklern.

Sondern der Ort der Verantwortung.

Früher konnte man glauben:
Wer tippt, kontrolliert.

Heute wird klarer:
Wer entscheidet, kontrolliert.

Die Maschine ist schnell.
Sie ist gründlich.
Sie ist erstaunlich höflich.

Aber sie weiß nicht,

warum etwas existiert,
welche Variante langfristig tragfähig ist,
wo Risiken liegen,
oder wann man besser nichts baut.

Diese Fragen wurden nicht automatisiert.
Sie sind nur sichtbarer geworden.

Nicht für alle gleich

Für Menschen, deren Arbeit stark von
Muster-Reproduktion
und Framework-Routinen geprägt war,
fühlt sich diese Zeit bedrohlich an.

Wenn der Kern deiner Arbeit war,
zu wissen, wie man etwas tippt,
ist es irritierend,
wenn plötzlich jemand schneller tippt.

Für Menschen, die Systeme denken,
Komplexität reduzieren
und Gestaltung mögen,
fühlt es sich eher wie Entlastung an.

Nicht, weil sie besser sind.

Sondern weil sich der Fokus verschiebt
dorthin, wo ihr eigentlicher Wert
schon immer lag.

Was bleibt

Ich habe nichts verloren.

Ich habe weniger Tipperei.
Weniger Friktion.
Weniger hässliche Zwischenzustände,
in denen man weiß, dass es funktioniert,
aber noch nicht gut aussieht.

Und gewonnen habe ich:

Mehr Gestaltung.
Mehr Klarheit.
Mehr Freude am Bauen.

Die Maschine schreibt den Code.

Ich baue die Software.

Und ganz ehrlich:

Tippen war nie der interessante Teil.